Das Training der Kunstflugtauben sieht auf den ersten Blick immer etwas kompliziert aus. Wenn man sich aber damit zu beschäftigen beginnt, merkt man, dass es nicht so kompliziert ist, man muss aber gewisse Grundsätze respektieren, welche für die Arbeit mit dem Tauben wichtig sind.

Der erste selbstgemachte Käfig und das erste Training

Eines dieser Grundsätze ist, pünktlich mit dem Training der jungen Tauben anzufangen.
Die erste Phase des Trainings lautet „sonnen“.
Junge Tauben werden schon am 25. Lebenstag das erste Mal auf den PLK gestellt. Die Gruppe junger Tauben alle ca. in gleichem Alter stellt man auf den PLK oder auf eine einfache weisse Platte, welche eine erforderliche Höhe aufweist (ca. 1 Meter) welche auch einem realen Flugkäfig gleichen sollte.

Weil das erste Training im Frühjahr beginnt, wäre es von Vorteil, wenn man die jungen Tauben auf dem PLK so positionieren würde, dass sie der Sonne entgegen schauen. Direkte Sonnenbestrahlung der jungen Tauben ist sehr wertvoll und die jungen Tauben beruhigen sich relativ rasch und lassen sich sonnen. Deswegen heisst die erste Phase dieses Trainings der Kunstflugtauben „sonnen“.

Einige Trainer stellen neben der Tauben (ist aber nicht zwingend) Wasser und Nahrung auf, damit sie schneller mit dem selbständigen Trinken und Essen beginnen. Nach 1-2 Stunden „sonnen“ bringe ich die jungen Tauben zu ihren Eltern zurück. Diese Phase des Training ist vielleicht ein bisschen langweilig aber sie ist sehr wichtig für das weitere trainieren. Es sollte beachtet werden, falls man in der Nähe der anderen Tauben trainiert, dass die jungen Tauben auf keinen Fall die anderen Tauben im Taubenschlag sehen oder hören.

Warum? Weil die Tauben dann ermutigt wären vom Taubenkäfig zu springen um sich den anderen Tauben anzuschliessen. Das wäre ein grosser Fehler, denn es ist sehr wichtig, dass die Tauben merken, dass diese weisse Platte ihr „neues zuhause“ ist. Die jungen Tauben haben nichts auf der Wiese zu suchen, im Falle, dass sie doch auf der Wiese landen, ist es wichtig, die Tauben zurück auf die weisse Platte zu stellen.

Man sollte am Anfang mit der Länge des Trainings nicht übertreiben, weil die jungen Tauben schnell gelangweilt sind und sie werden auch versuchen vom Käfig zu springen. Dieses erste Training, auch wenn es langweilig zu scheinen mag, ist sehr wichtig und man sollte es auf keinen Fall auslassen.

Nach einiger Zeit fängt der nächste Schritt des Trainings an. Die ersten Tauben werden entfernt, welche vom Käfig auf die Wiese gesprungen oder sich fallen gelassen haben. Die Taube welche ein paar Mal auf dem Boden gewesen ist, hat nichts mehr auf dem Käfig zu suchen. Es besteht die Gefahr, dass diese Taube auch die anderen damit ansteckt.

Arbeit mit dem Droper

In späteren Stadien des Trainings werden Tauben aussortiert welche sich durch gewisse Eigenschaften unterscheiden. Zum Beispiel eine Taube welche nicht fliegen will oder sich schon nach 2-3 Runden auf den Käfig niederlässt. Auch eine Taube die sehr hoch fliegt eignet sich nicht für das Training auf dem PLK. Die Taube welche hungrig ist, kommt nicht zurück in den Käfig und die wird dann auch aussortiert. Manchmal braucht es viel Zeit, um festzustellen, dass der Vogel nicht gut für den Käfig ist. Nach langer Arbeit, die wir in so eine Taube investieren, sind wir doch gezwungen einzusehen, dass diese Taube nicht für den Flug vom Käfig geeignet ist. Man sollte allerdings so einem Vogel nicht nachtrauern. Schlechte Taube kann noch mehr Schaden verursachen, in dem die anderen Tauben angesteckt werden.

Nachdem die erste Phase des Trainings abgeschlossen ist, beginnt die 2 Phase: Anfangsphase des Fluges.

Diese Phase folgt nach 7-8 Tagen, bzw. wenn die Tauben ein bisschen gestärkt sind, so dass sie 1-2 Meter fliegen können.
Wir nehmen die junge Taube, stellen sie auf die geöffnete Handfläche, entfernen uns 1-2 Meter vom PLK, drehen uns Richtung PLK und die Taube wird sofort versuchen auf den PLK zu fliegen. Es ist wichtig dass in diesem Moment andere Taube auf dem PLK sind, weil die Tauben soziale Wesen sind. Sie leben und bewegen sich in Gruppen und diese Eigenschaft kann man hier sehr gut ausnutzen. Die Taube wird versuchen den gegeben Abstand zu fliegen, weil sie sich den anderen anschliessen möchte. Wünschenswert ist es, dass diese Aufgabe mit Erfolg gemeistert wird, beziehungsweise die gesamte Strecke bis zum Käfig sollte ohne Zwischenhalt auf dem Boden oder Gras erfolgen. Auf diese Weise gewinnt die Taube an Selbstsicherheit und Mut. Dann nimmt man die 2. Taube und lässt sie auf den Käfig fliegen.

Die gleiche Taube sollte man nicht mehrmals hintereinander fliegen lassen, weil solch ein „Flug“ eine grosse Anstrengung und sogar Stress für die Taube ist und deshalb sollte man die Taube ausruhen lassen. Falls die Taube zufällig, die vorgegeben 2 Meter nicht schafft, sollte man sie sofort aufheben und auf den Käfig platzieren und das nächste Mal eine leichtere Aufgabe geben (den Abstand reduzieren). Von Tag zu Tag ist die Stärkung der Tauben sichtbar und der Abstand vom PLK immer grösser. Wenn man den Abstand von 10-15 Metern erreicht, kann man auch 2 oder 3 Tauben gleichzeitig fliegen lassen. Es ist jedoch sinnvoll, eine starke Taube zuerst fliegen zu lassen und wenn sie die Hälfte des Fluges erreicht hat, die nächste Taube hinterher zu schicken damit sie ihr folgen kann.

Die Eigenschaft der jungen Tauben ist, dass sie wegen Unerfahrenheit, den anderen Tauben folgen. Deshalb muss die erste Taube ohne Fehler auf den Käfig fliegen. Sollte die erste Taube zum Bespiel die Richtung wechseln, würden sofort die anderen auch in diese Richtung fliegen. Sollte das mal passieren – sehr wahrscheinlich wird das auch passieren, sollte man sofort beim Käfig die anderen jungen Tauben von kleinem Abstand fliegen lassen, so dass die anderen das sehen und zurück auf den Käfig kommen. Wenn man die Tauben aus der Handfläche fliegen lässt, muss man auf die Windrichtung achten. Die Taube muss man immer gegen den Wind fliegen lassen, so dass der Wind direkt in die Brust geblasen wird. Es ist nicht wünschenswert, dass der Wind in den Rücken bläst, es könnte sein, dass beim Landen auf den Käfig durch den Windstoss die anderen Tauben vom Käfig geschoben werden. Die Situation ist noch schlimmer bei Seitenwind, weil die Taube noch nicht bereit ist, mit diesem Problem fertig zu werden.

Wenn alle Tauben ohne Fehler nach 20 Meter Abstand zurück auf den Käfig fliegen, beginnt die 3 Phase des Trainings.
Bis zu diesem Zeitpunkt sind die Tauben stark und haben gut den Käfig kennengelernt. Diese Phase wird Landung genannt. So wie bei den Piloten, ist auch bei den Tauben, diese Phase eine der wichtigsten.

Bis jetzt sind die Tauben immer gegen den Wind gelandet, das nächste was man den Tauben beibringen muss, ist, wie man mit dem Wind landet. Wir stehen neben dem Käfig und nehmen die Taube und werfen sie in den Wind möglichst weit weg vom Käfig. Nachdem man die Tauben in die Luft geworfen hat, breiten sie die Flügel aus und wollen dem Wind widerstehen, weil sie Angst bekommen und sie versuchen sich zu drehen um wieder auf den Käfig zu landen (mit dem Wind). Falls die Taube es nicht schafft auf den Käfig zu landen, sondern auf die Wiese fällt, so ist dies ein Zeichen, dass die Taube noch nicht reif dazu ist. Man sollte dann wieder versuchen die Taube aus der Handfläche fliege zu lassen.

Im Gegensatz zu der Taube welche nach dem Werfen die Flügel nicht ausbreitet und nicht sofort die Landung anstrebet, sondern ein paar Runden und in die Richtung des Werfers blickt und erst sich dann Richtung des Käfigs dreht, die hat die Angst „vor dem Fliegen“ gemeistert. Das heisst, dass die Taube Fortschritte gemacht hat. In ein paar Tagen wird solch eine Taube es nicht mehr eilig haben mit dem Landen, sie wird sogar ein paar Runden fliegen. Nach ein paar Tagen Werfens in die Luft und erfolgreichem Landen auf den Käfig, widmen wir uns jetzt einer viel schwierigeren Aufgabe. Nämlich die Taube seitlich in die Luft Richtung Käfig zu werfen, so dass der Wind entweder von links oder rechts bläst. Dies ist die schwierigste Aufgabe der Ausbildung „Landung“. Wenn die Taube auch dies meistert und ohne Probleme auf den PLK landen kann, so ist auch die 3. Phase der Ausbildung absolviert.
Nach dem Training solle man den Tauben die Nahrung aus der Hand geben, wenn alle zu picken angefangen habe, geht man langsam durch die Öffnung des Käfigs und lässt die Nahrung auf den Grund des Käfigs fallen (Schüssel), die Tauben beobachten dies und nähern sich langsam der Öffnung und springen nach einander in den Käfig.
Vierte Phase: „Gruppenflug“. In dieser Phase geht man in die Rubrik über, welche dann auch an den Wettbewerben gezeigt wird. Auf den Käfig stellt man 3 Tauben gleicher Rasse auf, alle etwa in gleichem Alter und von gleicher Kraft. Man sollte sie ca. 1-2 Minuten stehen lassen bis sie sich beruhigt haben, wir nähern uns und heben sie mit der Hand auf, mit der Handfläche nach oben, greifen sie sanft unter der Brust und werfen sie in die Luft, nicht fest, nur so stark, dass sie beginnen zu fliegen, aber schnell eine nach der anderen. Wenn alle Drei in der Luft sind, werden sie versuchen sich gegenseitig zu folgen, weil sie unerfahren und unsicher sind.

So werden sie ein paar Runden fliegen bis eine von ihnen merkt, wo sich der Käfig befindet und dann wird sie in die Richtung des Käfigs fliegen. Die anderen zwei Tauben werden ihr sofort folgen und auch auf den Käfig landen. Sobald sie gelandet sind, machen wird den Käfig auf, geben ihnen etwas zu essen, zuerst aus der Hand und dann bewegen wir die Hand Richtung Käfig bis alle Tauben im Käfig sind.

Man sollte von der Nahrung nicht viel geben, nur so viel damit sie die Aufgabe erledigen, das heisst ca. 7-8 Körner pro Taube. Das gleiche Verfahren machen wir mit den anderen Tauben. Am Ende beginnen wir wieder mit der ersten Gruppe. Diesen kurzen Flug kann man mehrmals Wiederholen, weil die Tauben wieder erholt sind. Im Falle, dass die Tauben sehr hoch zu fliegen beginnen und sich vom Käfig entfernen würden, wäre es am besten einen Droper oder einen der anderen Tauben in die Luft zu werfen, damit sie das sehen und zurück zu den Käfig kommen. Am besten ist es einen weissen Droper zu nehmen, welcher nicht weit fliegen wird, sondern nur aus der Hand bis zum Käfig.

Mit diesem Schnellverfahren, erreicht man, dass die Tauben gleichen Alters sich zu Drehen beginnen, während die zu Hause noch nicht zu Fliegen gelernt haben. Die Tauben auf dem PLK sind im Gegensatz zu den Tauben, die man zu Hause trainiert, 15 Tage im Voraus Bezug auf die Flugleistung. Beim Training zu Hause kann man die jungen Tauben nicht zwingen zu fliegen, weil die Gefahr da ist, dass man sie verliert. Diese müssen total reifen bevor sie von alleine fliegen. Auf dem PLK reifen sie schneller.

Wettbewerb auf dem FK Turnier in Vrsac, im Jahre 2011.

Man muss beim Training noch ein paar Dinge in Betracht ziehen: Das Training sollte an verschiedenen Orten stattfinden, wenn es möglich ist, jeden Tag an einen anderen Ort trainieren. Die Tauben dürfen sich nicht den Ort merken, sondern sich immer nur an den Flugkäfig erinnern.

Abschliessende, fünfte Phase: Jeden Tag in der Gruppe mit 3 Tauben gleicher Rasse fliegen und gleicher Eigenschaft, bis die Tauben beginnen die entsprechenden Figuren für ihre Wettbewerbsklasse zu machen. Das heisst, einer Flugdauer von 15-20 Minuten, immer in der Gruppe zu bleiben, ohne sich zu trennen, viele Figuren-Punkte zu machen und dass sie wieder auf den Flugkäfig landen, wenn der Trainer das Zeichen mit einem Droper gibt.

Dann kann man sagen, dass die Tauben „den fünften Grad der Ausbildung“ absolviert haben. Diese „Absolventen“ können jetzt auf jeder Wieser dieser Welt am Wettbewerb teilnehmen und alle Zuschauer mit ihren akrobatischen Figuren begeistern.

Und am Ende kann passieren, dass die Taube korrekt trainiert wurde und trotzdem nicht alles beherrscht wofür sie trainiert wurde: sie überschlägt sich nicht (falls sie Überschlagtaube ist) oder dreht sich nicht (falls es ein Dunek ist) usw. Das heisst, dass die ganze Anstrengung umsonst war. Das kann man nie im Voraus wissen. Daher nimmt man für den beweglichen Flugkäfig nur die besten, getesteten jungen Tauben.
Dieser Faktor – das genetische Potential – ist sehr wichtig. Man kann sagen, dass für einen Erfolg mit solch einem Training ca. 40% Genetik verantwortlich ist. Die restlichen 60% kann man auf das Training zurückführen. Das heisst, dass man auch mit einer durchschnittlichen Taube ein gutes Resultat erzielen kann, sofern man sie gut trainiert. Das heisst auch, dass man mit einer gut qualitativen Taube ohne ein gutes Training schlechte Resultate erzielen kann. Es kann sein, dass solche Tauben einen Wettbewerb nie sehen werden oder sogar verloren gehen oder auch bei einem Wettbewerb nicht folgen werden. Nur mit einem regelmässigen und korrekten Training kann man das Maximum erzielen.

Gruppe der Broder Purzler, erzielte ein Resultat von 336 Punkten.

Weil man für die Kunstflugtauben sehr viel Zeit investieren muss und weil viele das Training nicht zu Ende bringen, ist ein gut erzieltes Resultat sehr wertvoll und man schätzt es mehr als bei den Resultaten bei den Haustauben, welches viel einfacher ist. 

Bei den Haustauben ist die Auswahl nicht so rigoros, man kann eine grössere Menge an Tauben trainieren, es gehen nicht so viel verloren und schlussendlich muss man sich nicht so Anstrengen um ein gutes Resultat zu erzielen. Doch nur die wahren Liebhaber und solche die sich gut auskennen können bei den Kunstflugtauben vom Käfig ein solides Resultat erzielen.
Ich hoffe, dass nach dem Lesen dieses Artikels auch andere Taubenzüchter sich entscheiden werden für so eine anspruchsvolle und sehr interessante Sportart.
Jeder investierte Moment kommt dreifach zurück, vor allem beim Anblick der Tauben wie sie sich drehen und überschlagen und deswegen bin ich immer wieder traurig, wenn die Saison zu Ende geht und ich bis zum nächsten Frühling ungeduldig warten muss.

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